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Statistiken - scam.protokoll

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Gibt es belastbare Zahlen zu Romance Scam?
Bei meinen Recherchen habe ich kaum belastbare Zahlen gefunden zu
Romance Scam, Celebrity Romance Scam und Love Scam.
Wenn du zuverlässige Daten hast, lass sie mir bitte zukommen.
Die internationale Forschung zur Untererfassung von Betrugsdelikten stellt fest, dass es insbesondere bei Online-Liebes-Betrug drei Faktoren gibt,
die zu einer deutlichen Untererfassung führen:

  1. Scham
  2. Emotionale Bindung zum Täter
  3. Viele Opfer, die aus der "Beziehung" wieder herauskommen, wissen und erfahren nie, dass es Betrug war.
Hier findest du eine ausführliche pdf für 2024, die auf den Daten des Weißen Rings und des FBI bzw. des FTC beruht.

Bereits im ersten Monat des Instagram-Kanals @scam.protokoll haben mir so viele Menschen von Online-Liebes-Betrugsfällen aus ihrem Umfeld berichtet, dass ich von einer wirklich hohen Dunkelziffer ausgehen muss.

Weißer Ring
Zusammenfassung
Die Landeskriminalämter von 11 Bundesländern haben auf Nachfrage Daten an den Weißen Ring gesendet.
Das Bayerische Innenministerien hat selbst Zahlen veröffentlicht.
Für 2024 habe ich aus den vorhandenen Daten eine vorsichtige Hochrechnung für ganz Deutschland erstellt.

63-65 Mio. € Schaden
ca. 4000 angezeigte Fälle
16.000 € Schaden pro Fall
4,8 angezeigte Fälle pro 100.000 Einwohner

Berechnung
Mindestens 50 Millionen Euro Schaden – hochgerechnet rund 68 Millionen
Im März 2026 veröffentlichte das Magazin des WEISSEN RINGS die Ergebnisse einer Befragung aller 16 Landeskriminalämter zum Love-Scam im Jahr 2024.
Das Ergebnis: In den polizeilich bekannt gewordenen Fällen entstand ein Schaden von mindestens 50 Millionen Euro.
Allerdings konnten fünf Landeskriminalämter keine entsprechenden Daten liefern:
 
  • Bayern
  • Bremen
  • Rheinland-Pfalz
  • Schleswig-Holstein
  • Saarland
 
Damit beruhen die 50 Millionen Euro nur auf den Angaben aus elf Bundesländern. Die fünf fehlenden Länder machen zusammen etwa 22 Millionen Einwohner aus. Die Bundesländer, aus denen Zahlen vorlagen, repräsentieren damit ungefähr 61,4 Millionen Menschen beziehungsweise rund 73,6 Prozent der deutschen Bevölkerung.
So habe ich hochgerechnet
Wenn 73,6 Prozent der Bevölkerung für mindestens 50 Millionen Euro registrierten Schaden stehen, ergibt sich für 100 Prozent folgende Rechnung:
50 Millionen Euro ÷ 73,6 × 100 = rund 68 Millionen Euro
Oder anders dargestellt:
50 Millionen Euro ÷ 61,4 Millionen Einwohner × 83,5 Millionen Einwohner = rund 68 Millionen Euro
Unter der Annahme, dass der finanzielle Schaden in den fünf fehlenden Bundesländern pro Einwohner ungefähr dem Durchschnitt der übrigen Bundesländer entspricht, läge der deutschlandweite Schaden für 2024 somit bei etwa 68 Millionen Euro.
Diese Zahl ist keine offizielle Schadenssumme, sondern eine nachvollziehbare geografische Hochrechnung. Sie gleicht lediglich die fehlenden Bundesländer aus.
Die tatsächliche Schadenssumme dürfte noch erheblich höher liegen. Love-Scam wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht gesondert ausgewiesen, die Bundesländer erfassen das Phänomen unterschiedlich, und viele Betroffene erstatten aus Scham, emotionaler Bindung oder Angst vor Abwertung keine Anzeige.
Die rund 68 Millionen Euro bilden deshalb noch nicht das Dunkelfeld ab. Sie sind lediglich eine vorsichtige Hochrechnung der polizeilich bekannt gewordenen Schäden auf ganz Deutschland.
 
Quelle: WEISSER RING Magazin: „Liebesbetrüger“ erbeuten mindestens 50 Millionen Euro sowie Bevölkerungsdaten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.


Statistik des FBI 2024 in den USA
FBI = Bundeskriminalbehörde und zentraler Ermittlungsdienst der Vereinigten Staaten

17.910 angezeigte Fälle in den USA
672 Mio. $ Schaden in den USA
37.521 $ Schaden pro Fall
5,3 angezeigte Fälle pro 100.000 Einwohner
Quelle Seite 9 und 10

Statistik des FTC für 2024 in den USA Imposter Scams
Identitätsdiebstahl inkl. Romance Scam
FTC = US-Bundesbehörde für Verbraucherschutz und Wettbewerbsaufsicht

845.806 angezeigte Fälle in den USA
2,952 Milliarden $ Schaden in den USA
3.490 $ Schaden pro Fall
249 angezeigte Fälle pro 100.000 Einwohner
Quelle Seite 4 -8
87 Fälle in 108 Tagen
Was die Instagram-Community von scam.protokoll sichtbar macht
Vorläufige Falldokumentation vom 18. Mai bis 2. September 2026
Am 18. Mai 2026 ging scam.protokoll an den Start. Innerhalb der ersten 108 Kalendertage erreichten mich Berichte über 87 Fälle von Romance Scam, Celebrity Romance Scam und damit verbundenen Betrugsformen.
Diese Zahlen stammen aus den persönlichen Schilderungen von Betroffenen, Angehörigen und Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld. Sie sind nicht repräsentativ für Deutschland. Aber sie zeigen, wie groß, vielschichtig und gefährlich das Phänomen ist, das in offiziellen Statistiken bislang nur unzureichend sichtbar wird.
87 bekannt gewordene Fälle
Von den 87 Fällen wurden
     
  • 58 Fälle von Angehörigen oder Bekannten geschildert
  • 29 Fälle von Betroffenen selbst berichtet
 
Damit kamen 66,7 Prozent der Berichte aus dem Umfeld betroffener Menschen und 33,3 Prozent unmittelbar von den Betroffenen.
Im Durchschnitt wurde scam.protokoll damit innerhalb dieses Zeitraums etwa alle 1,2 Tage ein neuer Fall bekannt.

Fast neun von zehn Betroffenen haben Geld geschickt
In 77 der 87 Fälle wurden Geld, Gutscheinkarten oder andere Vermögenswerte an die Täter übermittelt. Das entspricht 88,5 Prozent.
Nur in zehn Fällen, also 11,5 Prozent, war noch kein finanzieller Schaden eingetreten.
Gerade diese zehn Fälle sind psychologisch besonders aufschlussreich: Auch diese Betroffenen berichteten bereits von emotionaler Abhängigkeit und suchtähnlichem Verhalten. Die starke Bindung an den vermeintlichen Partner entsteht also nicht erst durch das Überweisen von Geld. Sie kann bereits vorher so ausgeprägt sein, dass Betroffene den Kontakt trotz Zweifel, Warnungen und erkannter Widersprüche nicht beenden können.
Der Geldtransfer ist häufig nicht der Beginn der Abhängigkeit. Er ist eine Folge davon.

75 Frauen und zwölf Männer
Unter den 87 Betroffenen waren
     
  • 75 Frauen, entsprechend 86,2 Prozent
  • zwölf Männer, entsprechend 13,8 Prozent
Die bisherigen Berichte betreffen überwiegend ältere Menschen. Es befinden sich jedoch auch jüngere Betroffene darunter. Romance Scam ist deshalb weder ein reines Frauenproblem noch ausschließlich ein Phänomen des höheren Lebensalters.
Die Zahlen bilden zudem nicht automatisch das tatsächliche Geschlechterverhältnis unter allen Betroffenen ab. Männer könnten seltener über den Betrug sprechen oder sich seltener an ein Aufklärungsangebot wenden. Scham und Angst vor Abwertung können beeinflussen, welche Fälle überhaupt sichtbar werden.

Mindestens jeder dritte Fall ist Celebrity Romance Scam
Mindestens 30 der 87 Fälle konnten sicher als Celebrity Romance Scam eingeordnet werden. Das entspricht mindestens 34,5 Prozent.
In diesen Fällen geben sich die Täter als bekannte Musiker, Schauspieler, Unternehmer oder andere öffentliche Personen aus. Bei weiteren Berichten ließ sich die konkrete Betrugsform nicht zweifelsfrei bestimmen. Der tatsächliche Anteil des Celebrity Romance Scam könnte deshalb noch höher liegen.

Acht Schwerstfälle
Besonders erschütternd sind die gesundheitlichen und lebensbedrohlichen Folgen.
Unter den 87 dokumentierten Fällen befinden sich:

  • drei vollendete Suizide
  • eine Frau, die ihr Geld an Betrüger überwies, sich keine Medikamente mehr kaufte und infolge schwerer Selbstvernachlässigung verhungerte
  • drei Suizidversuche
  • ein Fall von massivem körperlichem Verfall infolge des Betrugsgeschehens
 
Damit müssen acht der 87 Fälle als Schwerstfälle eingeordnet werden. Das entspricht 9,2 Prozent.
Anders ausgedrückt:
Mehr als jeder elfte dokumentierte Fall war mit einer lebensbedrohlichen Entwicklung oder dem Tod der betroffenen Person verbunden.
Vier der 87 Fälle endeten tödlich. Das entspricht 4,6 Prozent.
Die drei vollendeten Suizide und die drei Suizidversuche ergeben zusammen sechs Fälle. Damit waren 6,9 Prozent aller dokumentierten Fälle unmittelbar mit suizidalem Geschehen verbunden.
Diese Zahlen lassen sich nicht auf alle Betroffenen in Deutschland übertragen. Sie zeigen aber unmissverständlich, dass Romance Scam nicht lediglich als Vermögensdelikt betrachtet werden darf. Die Folgen können die psychische und körperliche Gesundheit, die soziale Existenz und das Leben eines Menschen betreffen.

Häufig bleibt es nicht bei einem Betrug
Ein weiteres auffälliges Muster ist die wiederholte Viktimisierung.
Kaum jemand berichtete ausschließlich von einem einzigen Täterkontakt. Viele Betroffene schrieben mit mehreren Täterprofilen. Häufig folgten auf den Romance Scam weitere Betrugsformen, darunter:

  • Celebrity Romance Scam
  • Finanz- und Anlagebetrug
  • Lotteriebetrug
  • Recovery Scam (angebliche Rückholaktionen für bereits verlorenes Geld)
  • spiritueller Betrug
 
Das Erkennen eines einzelnen Betrugs führte in vielen Berichten nicht automatisch zu einem nachhaltigen Schutz. Zahlreiche Betroffene gerieten anschließend erneut an andere Täter oder hielten trotz erkannter Täuschung an weiteren Kontakten fest.
Die Erkenntnis „Diese Person war ein Betrüger“ bedeutet offenbar nicht zwangsläufig: „Ich verstehe jetzt den Mechanismus, der mich gebunden hat.“
Wer lediglich das einzelne Täterprofil entlarvt, beendet damit nicht immer die psychische Empfänglichkeit für das nächste Profil.

Emotionale Abhängigkeit und suchtähnliches Verhalten
Angehörige und Betroffene verwenden auffallend häufig selbst Begriffe wie „Abhängigkeit“, „Sucht“, „Rückfall“ oder „Entzug“.
Geschildert werden unter anderem:
     
  • starkes Verlangen nach dem Kontakt
  • Weiterschreiben trotz erkannter Täuschung
  • Verheimlichung und Bagatellisierung
  • Kontrollverlust
  • erneute Kontaktaufnahme nach einem Abbruch
  • Festhalten an der Hoffnung trotz massiver Schäden
  • der Wechsel von einem Täterprofil zum nächsten
  • Fortsetzung des Kontakts trotz finanzieller, sozialer oder gesundheitlicher Folgen
 
Aus diesen Berichten lässt sich keine medizinische Suchtdiagnose ableiten. Sie begründen jedoch die dringende Frage, ob die suchtähnlichen Mechanismen bei Romance Scam und Celebrity Romance Scam wissenschaftlich wesentlich stärker untersucht werden müssen.

Nur wenige Fälle wurden angezeigt
Nach den bisherigen Schilderungen wurde nur ein kleiner Teil der Fälle bei der Polizei angezeigt.
Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Scham, Angst vor Schuldzuweisungen, fehlendes Vertrauen in die Erfolgsaussichten, die emotionale Bindung an den Täter oder die fortbestehende Überzeugung, dass zumindest ein Teil der Geschichte wahr sein könnte.
Das führt zu einem erheblichen Dunkelfeld. Was nicht angezeigt und nicht gesondert erfasst wird, erscheint in keiner offiziellen Statistik. Was statistisch nicht sichtbar ist, wird gesellschaftlich und politisch leichter unterschätzt.
So entsteht ein Kreislauf: Das tatsächliche Ausmaß bleibt unsichtbar, deshalb erhält das Problem zu wenig Aufmerksamkeit, und weil Hilfsstrukturen fehlen, bleiben wiederum viele Fälle undokumentiert.

Was diese 87 Fälle zeigen
Diese Falldokumentation ist keine repräsentative Studie. Die Berichte wurden über die Aufklärungs- und Community-Arbeit von scam.protokoll bekannt. Dadurch können Auswahl- und Berichtseffekte entstehen. Prozentwerte beziehen sich auf die 87 bis zum 2. September 2026 dokumentierten Fälle und wurden auf eine Nachkommastelle gerundet.
Trotz dieser Einschränkung zeigen die Berichte ein deutliches Bild:
Romance Scam ist nicht nur Finanzbetrug. Er kann emotionale Abhängigkeit erzeugen, Angehörige über lange Zeit schwer belasten, Menschen sozial isolieren und zu wiederholter Viktimisierung führen. In den schwersten Fällen stehen Gesundheit und Leben der Betroffenen auf dem Spiel.
 
87 Fälle in 108 Tagen sind keine Randnotiz; sie sind ein deutliches Warnsignal.
 
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