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Schutzlücken bei Romance Scamming schließen
Petition 208738 - eingereicht 09. September 2026
Wortlaut der Petition
Mit der Petition wird gefordert, dass der Deutsche Bundestag prüft und gesetzliche sowie institutionelle Maßnahmen auf den Weg bringt, um Betroffene und Angehörige bei Romance Scamming und Celebrity Romance Scamming besser zu schützen. Dazu gehören eine einheitliche statistische Erfassung, frühzeitige Schutzmechanismen bei Zahlungen und Giftcards, spezialisierte Beratungsangebote sowie die Prüfung rechtlicher Schutzlücken zwischen Selbstbestimmung und akuter Gefährdung.
Begründung
Romance Scamming ist mehr als Vermögensbetrug. Täter bauen über Wochen oder Monate emotionale Bindungen auf und bewegen Betroffene zu wiederholten Zahlungen. Die Folgen treffen häufig ganze Familien. Seit dem 18. Mai 2026 dokumentiere ich auf scam.protokoll Berichte von Betroffenen und Angehörigen. In 108 Tagen wurden mir 87 Fälle gemeldet, 58 davon von Angehörigen. In 77 Fällen wurde Geld an Täter transferiert. Unter den gemeldeten Fällen waren vier Todesfälle, darunter drei Suizide, sowie drei weitere Suizidversuche. Diese Zahlen sind nicht repräsentativ und belegen keine Kausalität, zeigen aber die Schwere möglicher Verläufe. Angehörige sind nicht nur Beobachter. Ehepartner können gemeinsame Rücklagen oder Altersvorsorge verlieren. Familien versuchen weitere Zahlungen zu verhindern und erleben Konflikte, Hilflosigkeit und erhebliche psychische Belastungen. Bei einem selbstbestimmungsfähigen Erwachsenen haben sie zugleich kaum Möglichkeiten einzugreifen. Die Entscheidungen eines Menschen können so die wirtschaftliche und psychische Existenz anderer berühren. Deshalb muss geprüft werden, ob zwischen vollständiger Handlungsfreiheit und bestehenden betreuungsrechtlichen Maßnahmen eine Schutzlücke für Betroffene und Angehörige besteht. Ziel ist keine pauschale Entmündigung, sondern die Prüfung eng begrenzter, verhältnismäßiger und gegebenenfalls richterlich kontrollierter Schutzinstrumente für Hochrisikofälle. Zugleich fehlt eine ausreichende Datengrundlage. Romance Scamming wird in der bundesweit veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik nicht als eigene aussagekräftige Kategorie ausgewiesen. Viele Fälle werden zudem nicht angezeigt. Notwendig sind eine einheitliche, auswertbare Erfassung und stärkere Ermutigung zur Anzeige. Schutz muss alle Zahlungswege berücksichtigen. Geld gelangt nicht nur über Überweisungen, sondern auch über Kryptowährungen, Zahlungsdienste und Giftcards an Täter. Banken, Handel, Gutscheinanbieter und Zahlungsdienstleister sollten deshalb in geeignete Warn- und Schutzsysteme einbezogen werden. Auch der Schaden endet nicht mit dem Geldverlust. Überschuldung, Verlust von Altersvorsorge oder Wohneigentum, psychische Krisen, Therapiebedarf, Sozialleistungen und im Extremfall Wohnungslosigkeit können weitere Folgen sein. Auch Angehörige können psychotherapeutische Hilfe benötigen oder wirtschaftlich und gesundheitlich geschädigt werden. Diese sozialen, gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgekosten sollten untersucht werden. Wir brauchen belastbare Daten, bessere Prävention, spezialisierte Hilfen für Betroffene und Angehörige und eine rechtspolitische Prüfung der Schutzinstrumente. Romance Scamming betrifft nicht nur den Menschen, der zahlt. Es betrifft auch diejenigen, die den Betrug erkennen, die Folgen mittragen und ihn trotzdem kaum aufhalten können.
Anregungen für die Forendiskussion
Wessen Freiheit schützen wir eigentlich? Ein erwachsener Mensch hat das Recht, auch finanziell schlechte Entscheidungen zu treffen. Selbst dann, wenn er Geld an Betrüger gibt. Aber was ist mit den Angehörigen? Was ist mit dem Ehepartner, dessen Altersvorsorge, gemeinsame Rücklagen oder wirtschaftliche Existenz dadurch mit vernichtet werden? Kann es richtig sein, dass Angehörige wirtschaftlich und psychisch zugrunde gerichtet werden, weil wir die Freiheit eines anderen Menschen schützen, sich unter dem Einfluss von Betrügern selbst zu schädigen? Selbstbestimmung ist ein hohes Gut. Aber wo endet die Freiheit des einen, wenn ein anderer den Preis dafür bezahlt? Genau darüber möchte ich diskutieren: Brauchen wir bei Romance Scamming eine neue rechtliche Antwort zwischen Nichtstun und Entmündigung?
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