Direkt zum Seiteninhalt

Forderungen - scam.protokoll

Menü überspringen
Menü überspringen
Um was geht's?
Schutzlücken bei Romance Scamming schließen
Schutz, Intervention und belastbare Datenerfassung verbessern
1. Frühzeitige Schutzmechanismen im Zahlungsverkehr
Es soll geprüft werden, unter welchen eng definierten Voraussetzungen Banken und Zahlungsdienstleister bei konkreten Anzeichen eines fortgesetzten Betrugsgeschehens zu zusätzlichen Schutzmaßnahmen verpflichtet werden können.
Denkbar sind qualifizierte Warnungen, zusätzliche Verifikationsschritte, spezialisierte Ansprechpartner sowie bei besonders auffälligen und erheblichen Transaktionen angemessene Cooling-off-Zeiten.
Dabei muss die Selbstbestimmung des Kunden gewahrt und gleichzeitig berücksichtigt werden, dass bei fortgesetztem Romance Scamming innerhalb kurzer Zeit erhebliche oder existenzbedrohende Vermögensschäden entstehen können.
2. Giftcards und andere alternative Transferwege berücksichtigen
Romance Scamming findet nicht ausschließlich über klassische Banküberweisungen statt.
Betroffene werden auch aufgefordert, Gutscheinkarten oder andere digitale Wertmittel zu erwerben und anschließend die Codes an die Täter zu übermitteln.
Damit kann Vermögen außerhalb einer klassischen Überweisung transferiert werden. Möglichkeiten der Warnung, Rückholung und Nachverfolgung können dadurch erheblich eingeschränkt werden.
Deshalb soll geprüft werden, welche verhältnismäßigen Schutzmaßnahmen für Gutscheinanbieter und Handel möglich sind.
Dazu können Warnhinweise am Verkaufsort, Schulungen für Verkaufspersonal, Auffälligkeitserkennung bei ungewöhnlichen oder wiederholten Käufen, geeignete Betragsgrenzen sowie schnelle Melde- und Kooperationswege zwischen Handel, Gutscheinanbietern und Strafverfolgungsbehörden gehören.
Schutzmaßnahmen dürfen nicht nur einen einzelnen Zahlungsweg erfassen. Andernfalls können Täter auf andere Transferwege ausweichen.
3. Rechtliche Schutzlücke zwischen Selbstbestimmung und akuter Gefährdung prüfen
Die Selbstbestimmung erwachsener Menschen ist ein hohes Gut.
Dazu gehört grundsätzlich auch die Freiheit, Entscheidungen zu treffen, die andere für unvernünftig oder wirtschaftlich schädlich halten.
Bei Romance Scamming kann diese Freiheit jedoch gezielt von Kriminellen ausgenutzt werden.
Angehörige erleben Fälle, in denen sie den Betrug längst erkannt haben, während weiterhin Geld, Rücklagen oder Altersvorsorge verloren gehen.
Das geltende Betreuungsrecht kennt Schutzinstrumente, knüpft diese jedoch aus guten Gründen an hohe Voraussetzungen.
Deshalb soll geprüft werden, ob zwischen vollständiger Handlungsfreiheit und weitreichenden betreuungsrechtlichen Maßnahmen eine Schutzlücke besteht und ob für eng definierte Hochrisikokonstellationen zusätzliche, zeitlich begrenzte und gegebenenfalls richterlich kontrollierte Instrumente erforderlich sind.
Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass schwere finanzielle Entscheidungen nicht nur den Betroffenen selbst treffen können. Werden gemeinsame Rücklagen, Altersvorsorge oder andere für Ehepartner und Familien existenzielle Vermögenswerte vernichtet, können auch die Rechte und die wirtschaftliche Sicherheit Dritter betroffen sein.
4. Spezialisierte psychosoziale Akut- und Beratungsangebote schaffen
Romance Scamming darf nicht ausschließlich als finanzielles Problem betrachtet werden.
Die über längere Zeit aufgebaute emotionale Bindung kann dazu führen, dass Warnungen allein nicht ausreichen, um einen Kontakt oder weitere Zahlungen zu beenden.
Deshalb soll geprüft werden, wie bundesweit erreichbare spezialisierte Beratungs- und Interventionsangebote für Betroffene und Angehörige geschaffen oder ausgebaut werden können.
Diese Angebote sollten Kenntnisse über Betrugsmechanismen ebenso umfassen wie psychologische Krisenintervention, Angehörigenberatung und geeignete Weitervermittlung in psychotherapeutische oder psychiatrische Versorgung.
5. Gesundheitliche, soziale und volkswirtschaftliche Folgekosten untersuchen
Der finanzielle Schaden eines Romance-Scam-Falles endet nicht notwendigerweise mit dem Betrag, der an Täter gelangt.
Schwere Verläufe können mit Überschuldung, Verlust von Altersvorsorge oder Wohneigentum, psychischen Krisen und erhöhtem Unterstützungsbedarf verbunden sein.
Daraus können weitere Kosten entstehen: für psychotherapeutische und psychiatrische Behandlung, Krisenintervention, Schuldnerberatung, Sozialleistungen, Betreuung und gegebenenfalls Hilfen bei Wohnungsverlust oder Wohnungslosigkeit.
Bislang fehlt eine ausreichende Datengrundlage darüber, welche gesundheitlichen, sozialen und fiskalischen Folgekosten schwere Romance-Scam-Verläufe in Deutschland verursachen.
Diese Folgekosten sollten systematisch untersucht werden.
6. Romance Scamming bundesweit einheitlich und auswertbar erfassen
Eine wirksame Präventionspolitik benötigt belastbare Zahlen.
Romance Scamming sollte deshalb in der polizeilichen Datenerfassung bundesweit einheitlich so erfasst werden, dass das Phänomen gesondert ausgewertet werden kann.
Dabei sollte auch geprüft werden, welche zusätzlichen Merkmale datenschutzkonform erfasst werden können, beispielsweise Schadenshöhe, Zahlungsweg, wiederholte Zahlungen, Altersgruppen sowie Romance Scamming und Celebrity Romance Scamming.
Nur wenn das Phänomen sichtbar wird, lassen sich Ausmaß, Entwicklung und Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen beurteilen.
7. Das Dunkelfeld verkleinern und zur Anzeige ermutigen
Neben der statistischen Erfassung besteht ein zweites Problem: Fälle, die nicht angezeigt werden, können in polizeilichen Statistiken nicht sichtbar werden.
Scham, emotionale Bindung, Hoffnung auf die Echtheit der Beziehung oder die Annahme, eine Anzeige sei wegen eines ausländischen Täters ohnehin sinnlos, können einer Anzeige entgegenstehen.
Deshalb sollte bundesweit deutlicher darüber aufgeklärt werden, dass Romance Scamming eine Straftat ist und Verdachts- und Schadensfälle angezeigt werden sollten.
Auch eine Anzeige, die nicht unmittelbar zur Ermittlung eines Täters führt, kann für Lagebilder, Mustererkennung, Prävention und die Einschätzung des tatsächlichen Ausmaßes des Phänomens von Bedeutung sein.
8. Zusammenarbeit der beteiligten Systeme verbessern
Romance Scamming liegt an der Schnittstelle mehrerer Systeme.
Polizei sieht die Straftat.
Banken und Zahlungsdienstleister sehen Zahlungsbewegungen.
Der Handel sieht möglicherweise ungewöhnliche Giftcard-Käufe.
Angehörige beobachten Verhaltensveränderungen.
Psychologische und medizinische Fachkräfte sehen gegebenenfalls psychische Krisen.
Betreuungsbehörden und Gerichte werden mit rechtlichen Schutzfragen konfrontiert.
Verbraucherschutzstellen beraten Betroffene.
Diese Informationen befinden sich jedoch in unterschiedlichen Systemen.
Deshalb soll geprüft werden, wie unter Wahrung von Datenschutz, Selbstbestimmung und rechtsstaatlichen Anforderungen bessere Kooperations- und Interventionsstrukturen für Hochrisikofälle geschaffen werden können.
Warum diese Petition notwendig ist
Seit dem 18. Mai 2026 dokumentiere ich im Rahmen des Aufklärungsprojekts scam.protokoll Berichte von Betroffenen und Angehörigen zu Romance Scamming und Celebrity Romance Scamming.
Innerhalb von 108 Tagen wurden mir 87 Fälle berichtet.
58 Meldungen kamen von Angehörigen, 29 von Betroffenen.
In 77 von 87 Fällen war Geld an Betrüger transferiert worden.
Unter den mir gemeldeten Fällen befanden sich außerdem vier Todesfälle, darunter drei Suizide, sowie drei weitere Suizidversuche.
Diese Falldokumentation ist ausdrücklich keine repräsentative Studie.
Sie erlaubt weder Aussagen über die tatsächliche Häufigkeit von Romance Scamming in Deutschland noch den Nachweis, dass Romance Scamming die genannten Todesfälle oder Suizidhandlungen verursacht hat.
Aber gerade darin liegt ein Teil des Problems.
Wir wissen bislang nicht ausreichend, wie groß das Phänomen tatsächlich ist.
Wir wissen nicht ausreichend, wie groß das Dunkelfeld ist.
Wir wissen nicht ausreichend, wie häufig Menschen nach schweren Romance-Scam-Verläufen überschuldet sind, ihre Altersvorsorge verlieren, psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung benötigen, Sozialleistungen in Anspruch nehmen oder ihre Wohnung verlieren.
Und wir wissen nicht ausreichend, welche Belastungen und wirtschaftlichen Schäden bei Angehörigen entstehen.
Was nicht systematisch erfasst wird, bleibt politisch schwer sichtbar.
Was politisch kaum sichtbar ist, erhält nur schwer die Aufmerksamkeit und die Ressourcen, die seiner tatsächlichen Bedeutung entsprechen könnten.
Die zentrale Frage
Romance Scamming stellt unseren Rechtsstaat vor ein schwieriges Dilemma.
Ein erwachsener Mensch besitzt das Recht auf Selbstbestimmung.
Der Staat soll nicht darüber entscheiden, welche Beziehung vernünftig ist, wem ein Mensch vertrauen darf oder wofür er sein Geld ausgeben soll.
Gleichzeitig darf die Achtung vor der Selbstbestimmung nicht dazu führen, dass wir auf organisierte Manipulation erst reagieren können, nachdem Vermögen, Gesundheit und soziale Existenz bereits schwer geschädigt wurden.
Deshalb fordert diese Petition keine pauschale Entmündigung und keine automatische Kontrolle privater finanzieller Entscheidungen.
Sie fordert etwas anderes:
Der Gesetzgeber soll prüfen, ob unsere heutigen rechtlichen und institutionellen Instrumente für die besondere Dynamik fortgesetzten Romance Scammings ausreichen – und dort, wo Schutzlücken bestehen, verhältnismäßige Lösungen entwickeln.
Wir brauchen belastbare Daten.
Wir brauchen bessere Prävention.
Wir brauchen Schutzmechanismen, die unterschiedliche Zahlungswege berücksichtigen.
Wir brauchen spezialisierte Hilfe für Betroffene und Angehörige.
Wir brauchen Wissen über die gesundheitlichen und sozialen Folgekosten.
Und wir brauchen eine ernsthafte rechtspolitische Diskussion darüber, wie Selbstbestimmung geschützt werden kann, wenn Kriminelle genau diese Selbstbestimmung systematisch für ihre Zwecke ausnutzen.
Die Frage ist nicht, ob der Staat Menschen vor jeder schlechten Entscheidung schützen soll.
Die Frage ist, ob der Staat genug tut, wenn organisierte Kriminalität Menschen systematisch dazu bringt, sich selbst und möglicherweise auch ihre Familien existenziell zu schädigen.
Zurück zum Seiteninhalt